Dienstag, 2. Dezember 2014

Gewinner des Schreibwettbewerbs Dezember 2014

Hallo, liebe Leser/innen.
Nun ist es endlich soweit - ich kam nun doch noch endlich an mein heiliges E-Mail Postfach, um den Gewinnertext via Copy/Paste hier präsentieren zu können.

Ich danke allen Teilnehmern für ihre Teilnahme. Es war wirklich nicht leicht, unter all den eingesandten Texten DEN einen Gewinnertext zu finden. Denn es gab sehr viele sehr gute Kurzgeschichten und Gedichte darunter.

Aber lange Rede, kurzer Sinn - ich möchte nun hiermit den Gewinner verkünden.
Es ist:

Ulrich Borchers - zum "ultracoolen Bockwurst-Ochsen":

Der Gewinn (Amazon-Gutschein im Wert von 25,00 Euro) wird noch heute per E-Mail versendet.



Geplatzte Wurst

„Also die russischen Frauen kleiden sich besser, aber schauen nur auf ´s Geld und die Asiatinnen sind schlanker und fleißiger, aber lassen sich scheiden, wenn sie die Sprache richtig beherrschen, Und deutsche Frauen? Nur noch Quotenweiber, die alles besser wissen und denen nichts daran liegt, einen Mann zu verwöhnen. Dazu übergewichtig und oberschlau. Ne, bleib mir weg mit Weibern.“
„Mensch Werner, Du weißt Bescheid“, staunte Horst nicht schlecht.
Werner schenkte wissend lächelnd sein Bier nach und erwiderte cool: „Sach ich doch.“
„Hast Du deswegen keine?“
Nun betrachtete er seinen Kumpel missmutig. Immer dieses Nachhaken.  Anstatt mal von ihm zu lernen. „Horst, einfach mal Klappe halten und zuhören. Ich will Dich ja nur vor Dummheiten bewahren. Jede könnte ich haben, jede! Will ich aber nicht. Hast doch gehört, wie die drauf sind. Vielleicht versuche ich aber doch mal ne Schwatte. Die sollten eigentlich ein wenig dankbarer sein, als diese anderen Tussen.“
Beim Gedanken daran, was Werner mit einer farbigen Schönheit anstellen könnte, wurde Horst ein wenig schwindelig und er stütze sich vorsichtshalber  ab. Dazu legte er seinen Arm auf einen der Stehtresen die vor dem dazugehörigen  Trinkimbisses, am Beginn der Einkaufsstraße platziert waren. Wenn er die flanierenden Schönheiten so betrachtete, musste er zugeben, dass ihm der Verzicht nicht so leicht fiel, wie Werner. Bei ihm war dieser leider nicht freiwillig, er war halt kein Frauentyp. Sein Kumpel Werner leistete es sich, trotz seiner Verzichtshaltung, jeder vorübergehenden Frau eine hochgezogene Augenbraue zu gönnen. Die reagierten, wie von Werner vorhergesagt. Antrainierte Ignoranz oder Empörung. „Alles nur Schau, “ meinte sein Kumpel dazu. „In Wirklichkeit wollen die alle.“
Jetzt gab es aber etwas Neues zu kommentieren. „Da wieder so ein Typ mit Käppi und langem Wuselbart. Wenn ich was zu sagen hätte, würde ich Bärte verbieten. Was will der überhaupt hier? Soll der mit seinem Teppich zum Beten doch wieder in die Wüste gehen.“
„Aber Werner, Du hast doch auch einen Schnauzer.“
Jetzt wurde Werner richtig böse. „Merkst Du noch was? Ich rede hier von allgemeinpolitisch wichtigen Themen und  laberst was von Schnauzer. Ich meine diese Salafistendinger und nicht einen gepflegten Männerschnurrbart. Damit fängt es an und demnächst dürfen wir dann keinen Alkohol mehr trinken und unserer Frauen müssen Schleier tragen.“
Jetzt war Horst völlig überfordert und kam nicht mehr mit: „Aber Werner, wir haben doch gar keine Frauen.“
 Werner seufzte, schüttelte den Kopf und nahm erstmal einen kräftigen Schluck direkt aus der Bierflasche. Wieso gab er sich mit diesem Idioten ab? Er zählte bis zehn. Sein Freund beobachtete ihn ängstlich. Da kommt noch was, dachte er sich. „Du bist so ein Vollhorst. Ich rede von islamistischer Unterwanderung. Und ich meine Frau im Allgemeinen. Im Übrigen kann ich jede haben, JEDE!“
Horst hielt lieber seinen Mund. An sich wollte er noch loswerden, dass seit Matlock keiner mehr so einen Schnurrbart trägt, aber irgendwie wäre das jetzt unpassend gewesen.
„Du interessierst Dich einfach für nichts. Wenn ich nur daran denke, dass Du den Typen von der Bank so freundlich gegrüßt hast. Gestern haben die unsere Wirtschaft in den Sand gesetzt, heute knausern sie mit ihrem Geld und trinken hier etwas, wo es kaum etwas kostet, um Morgen mit unserem Geld, in die Karibik zu fahren.“
„Aber Werner, das war Karl-Heinz, mit dem bin ich zur Schule gegangen und der sitzt bei der Sparkasse an der Kasse. Und der fährt immer in den Harz in Urlaub.“
Werner rückte seinen hochgestellten Kragen zurecht und kämmte sich die Haare zurück. Ganz ruhig jetzt, dachte er sich. Erstmal hinter die Trinkhalle und Druck ablassen. Das sah Kalli, der Besitzer, zwar nicht so gern, aber der soll sich bei seinen Stammkunden nicht so anstellen. Er drehte sich um und schlenderte lässig in Richtung der hinteren Bebauung und ließ den verunsichern Horst kommentarlos stehen. „Hände waschen“, brüllte ihm Kalli hinterher.
Zurückgekommen erwähnten beide den bisherigen  Wortwechsel nicht mehr. Es hätte nur Ärger gegeben, die Erfahrung hatten sie schon gemacht. Nachdem sie eine Weile so dastanden, in der sich Werner auf das anlassbezogene Hochziehen der Augenbrauen beschränkt hatte, kam der junge Mann mit dem Vollbart mit Handzetteln ausgestattet auf die Stehtresen zu.
Als  er zu ihnen kam, reichte er ihnen zwei Zettel und sagte: „Hallo ich heiße Yusuf Yildiz und möchte für die CDU in unseren Stadtrat. Wir wollen etwas für die wirtschaftliche Belebung  unserer Stadt machen, die Arbeitslosenquote ist einfach viel zu hoch.“
Horst war ganz aufgeregt: „Mensch Werner, der Salafist ist Politiker. Das sind doch die Schlimmsten von allen, sagst Du immer. Hattest Du doch Recht mit dem Typen.“
„Wieso Salafist? Womit Recht? Was haben sie denn über mich behauptet?“ Der angehende Stadtrat klang ein wenig erzürnt. Während sich Werner eine Antwort überlegte, hatte Horst etwas Neues entdeckt: „Werner, Werner, guck mal. Ne Schwatte. Willst Du es nicht gleich mal versuchen?“
Die Frau baute sich vor dem Tresen auf und fauchte: „Das habe ich gerne. Sozialschamrotzer, die sich am helllichten Tag betrinken und rassistische, frauenfeindliche Sprüche ablassen.“
Jetzt war es an Horst seinen Kumpel zu verteidigen: „Moment. Keine Vorurteile gegen unschuldig in Not geratene, wie mein Freund hier immer sagt. Außerdem kann er jede haben, da brauchen sie gar nicht so uninteressiert zu tun. Und ich kann zwar nicht für den Salafisten hier sprechen, aber mein Kumpel, hat einen Job. Er verkauft Bockwürste hier am Trinkimbiss.“
„Hat er nicht, macht er nicht“, brüllte Kalli, der das Gespräch interessiert verfolgt hatte. „Der ist doch sogar zu blöd zum Würstchenkochen.  Vorgestern hat er 75 Stück platzen lassen.“
„Ach Scheiße“, dachte Werner, kurz bevor die Welt über ihn zusammenbrach. 


Ulrich Borchers

Ulrich Borchers. Geboren 1961 in Flensburg und als Nordlicht auch nie so richtig weggewollt und weggekommen. Fußballprofi klappte nicht (den Traum hat er mit elf Jahren aufgegeben), Seit ca. fünf Jahren schreibt er Kurzgeschichten, mit denen er sich an Literaturwettbewerben und Anthologieausschreibungen beteiligt. 

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